Stadtgeschwindigkeitskonzept

 

ADFC Stuttgart nimmt Stellung

 

Verkehrsschild Tempo 30 Zone
Tempo 30 Zone © -

Der Gemeinderats beschloss vor einigen Wochen, der Städteinitiative für Tempo 30 beizutreten und sich als Modellkommune zu bewerben. Zudem solle ein Stadtgeschwindigkeitskonzept erarbeitet werden. Näheres dazu ist hier zu finden.

Der ADFC Stuttgart nahm zu diesem geplanten Konzept gemeinsam mit anderen Umweltverbänden Stellung. Für eine echte Mobilitätswende ist es wichtig, hierbei nicht in erster Linie vom Auto aus zu denken (wo sollte schnell gefahren werden dürfen?), sondern von den nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern: Das heißt, eine höhere Geschwindigkeit als 30 km/h soll allenfalls dann angeordnet werden, wenn anderweitig für deren Sicherheit vor dem Kfz.Verkehr gesorgt ist. Hier ist das vollständige Schreiben, welches unter anderem an OB Dr. Nopper, die anderen Bürgermeister*innen und an die Stadträt*innen ging:

Offener Brief: Stadtgeschwindigkeitskonzept                                                                          11.04.2022

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns sehr über den Beschluss des Gemeinderats, der Städteinitiative für Tempo 30 beizutreten und sich als Modellkommune zu bewerben.

Überdies möchten wir gerne einige Gedanken zum Thema Stadtgeschwindigkeitskonzept beitragen.

Es geht bei Tempo 30 neben der Abgas- und Lärmbelastung aus unserer Sicht in erster Linie um die Sicherheit für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer*innen. Das trägt dann zugleich dazu bei, diese Verkehrsarten zu stärken und deren Anteil zu erhöhen. Der Effekt ist größer als der Vergleich, welche Auswirkungen hat ein Auto bei Tempo 50 und welche sind es bei einem Auto mit Tempo 30. Damit dieser zusätzliche Effekt vollständig eintreten kann, muss es strenge Voraussetzungen geben, wann auf einer Straße ausnahmsweise ein höheres Tempo erlaubt sein kann. Letztlich darf ein höheres Tempo nur dann in Frage kommen, wenn anderweitig hinreichend für die objektive und subjektive Sicherheit der Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gesorgt wird. Das bedeutet:

Ein höheres Tempo als 30 km/h ist innerorts nur dann mit dem Radverkehr verträglich, wenn es eine abgetrennte Führung für den Radverkehr gibt, die voll funktionsfähig und insbesondere vom Fußverkehr getrennt ist, so dass kein Anlass besteht, auf die Kfz-Fahrbahn auszuweichen. Das sollte dann der Fall sein, wenn der Stuttgarter Qualitätsstandard für Radverkehrsanlagen im Sinne der Ziele des Radentscheids eingehalten wird und sie im Bereich Reinigung / Winterdienst mindestens ebenso hoch priorisiert wird wie die Kfz-Fahrbahn.

Ein höheres Tempo als 30 km/h ist innerorts nur dann mit dem Fußverkehr verträglich, wenn eine Querung dennoch praktisch überall ohne Gefahr möglich ist – vor allem für Kinder. Dazu gehört vor allem, dass keine Sichthindernisse vorhanden sind, also nicht am Straßenrand geparkt wird – weder längs noch quer noch schräg. Ein Verweis auf sichere Querungen in der Nähe genügt nicht, da in der Praxis dann doch lieber der kurze Weg genutzt wird.

Es sollte in dem Konzept nicht nur um höhere Geschwindigkeiten gehen als 30 km/h, sondern auch um niedrigere wie 20 km/h. Diese sind vor allem an Straßen mit hohem Querungsbedarf sinnvoll, etwa in den Stadtteilzentren. Auch vor Schulen und anderen Einrichtungen für Kinder sollte Tempo 20 gelten.

Gelegentlich wird als "Argument" gegen Tempo 30 vorgebracht, dass der Kfz-Verkehr dann vermehrt in Nebenstraßen ausweiche. Das ist aber kein echtes Gegenargument zu Tempo 30, sondern ein Auftrag, entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das könnte Tempo 20 in diesen Nebenstraßen sein oder das Verhindern des Durchfahrens, zunächst durch eine Anlieger-frei-Regelung, und falls diese nicht eingehalten wird, durch Einrichtung von modalen Filtern oder von Systemen gegenläufiger Einbahnstraßen (natürlich "Rad frei"). Auch solche Gegenmaßnahmen sollte das Konzept beinhalten.

Wir bitten Sie, diese Gedanken in dem Konzept zu berücksichtigen, um die Mobilitätswende in Stuttgart erfolgreich einzuleiten.

Freundliche Grüße
Frank Zühlke
ADFC Stuttgart

Mit Unterstützung der Umweltverbände
BUND, Kreisverband Stuttgart
Campus for future Stuttgart
KUS Klima- und Umweltbündnis Stuttgart
VCD, Kreisverband Stuttgart

 


https://stuttgart.adfc.de/neuigkeit/stadtgeschwindigkeitskonzept

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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